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Die
Entscheidung für ein Gartencenter mit Landmarkt bedeutet zuerst einmal, dass
durch den Landverkauf und die zu erwartende Gewerbesteuer Geld in die klamme
Pfungstädter Stadtkasse fließen wird und dass durch den Betrieb des Marktes
Arbeitsplätze geschaffen werden. Des weiteren bedeutet diese Entscheidung aber
auch, dass den weitestgehend im Zentrum angesiedelten Blumengeschäften, Obst-
und Gemüseläden, Gartenbaubetrieben sowie den Bauernlädchen weitere Konkurrenz
erwachsen wird. Für den Verbraucher - soweit er über ein Auto verfügt - bietet
der Einkauf in einem Einkaufscenter zweifelsohne Vorteile: genügend Parkplätze,
breitgefächertes Angebot, lange Öffnungszeiten; durchaus gute Argumente, die
für die Errichtung des Gartencenters sprechen, sollte man meinen. In der
Diskussion in der Stadtverordnetensitzung fanden diese Argumente jedoch keine
Erwähnung – vielleicht weil sie eines
der Kernprobleme Pfungstadts offen gelegt und die zukünftige Stadtentwicklung
in den Mittelpunkt aller Überlegungen gestellt hätten. Eine Stadtentwicklung,
die sich heute erst andeutet, die aber die Zukunft Pfungstadts – wie so vieler
anderer Städte auch – vorzeichnet: das Einkaufen in der Innenstadt verlagert
sich hin zum Shopping am Stadtrand. Das wiederum setzt einen
Entwicklungskreislauf in Gange, in dessen Verlauf die überwiegende Zahl der
Einzelhandelsgeschäfte in der Stadtmitte auf der Strecke bleiben wird. Durch das Einkaufscenter im Gewerbegebiet
wird Kundschaft aus dem Stadtkern abgezogen, den dortigen
Einzelhandelsgeschäften fehlen diese Kunden, der Umsatz geht zurück, Geschäfte
werden unrentabel, sie werden schließen, das dadurch bedingte geringere Angebot
verringert die Attraktivität als Einkaufszone, weitere Kundschaft bleibt fern,
womit auch für die verbliebenen Läden, Gaststätten, Cafes usw. die Lage
unrentabel zu werden droht. Wachstum wird nur noch an der Peripherie
stattfinden – der Stadtkern verödet. Dem Gewinn an Arbeitsplätzen im
Gewerbegebiet steht der Verlust von Arbeitsplätzen im Zentrum gegenüber.
Noch haben
wir in Pfungstadt ein lebendiges Zentrum, in dem sich Wohnen, Einkaufen und
soziale Einrichtungen durchmischen und gegenseitig fördern – ein Stadtkern, der
durch kein anonymes, stets gleich aussehendes, flächenfressendes Einkaufscenter
auch nur annäherungsweise ersetzt werden kann! Müssten wir darum nicht alle
Kräfte bündeln, um dies zu fördern und bewahren? Müsste verantwortliches
politisches Handeln nicht auch an die denken, die kein Auto haben, die älteren
Mitbürger, die auf fußläufig zu erreichende Geschäfte angewiesen sind? Kann ein
„Landmarkt“ inmitten all des Krimskrams, der in einem Gartencenter feil geboten
wird, die Bauernläden mit ihrem unverwechselbaren individuellen Charakter
ersetzen?
Insofern
ist die Frage „braucht Pfungstadt dieses Gartencenter“ falsch gestellt, sie
müsste lauten „kann sich Pfungstadt dieses Gartencenter erlauben“!
Sicherlich
wird der neue Markt nicht mit einem Schlage den entsprechenden innerstädtischen
Einzelhandel verdrängen – aber die zahlreichen bisher schon verschwundenen
Geschäfte verschwanden auch nicht auf einen Schlag. Die Verarmung der
Innenstadt ist ein schleichender Prozess, wobei die Errichtung des
Gartencenters ein weiterer Mosaikstein sein wird, wie die Lebensfähigkeit der
innerstädtischen Läden untergraben wird.
Wenn trotz
all dieser Argumente dieses Projekt dennoch umgesetzt werden wird, dann wohl
deshalb, weil endlich ein Investor gefunden wurde, der gewillt ist, sich im
Gewerbegebiet anzusiedeln. Hierfür bekommt er sogar einen eigenen Bebauungsplan
auf den Leib geschneidert. Da spielt es auch keine Rolle, dass die
Gewerbegebiete „Mainstrasse“ und „Nord-West“ einmal der Ansiedlung von Fachmärkten,
bzw. ortsansässigen Betrieben als Erweiterungsflächen vorbehalten sein sollten.
Stellen sich die Investoren jedoch nicht wie gewünscht ein, müsste sich die
Frage aufdrängen, ob Pfungstadt tatsächlich diese Flächen zur Gewerbeansiedlung
benötigt – Flächen, die für die Landwirtschaft unwiederbringlich verloren sind
und einem Siedlungszuwachs, in dem Quantität vor Qualität geht, geopfert
werden.
Pfungstadt
hat Besseres verdient – Politik, die nicht von der Hand in den Mund lebt,
sondern verantwortungsvoll und zukunftsblickend mit seinen Ressourcen und
seinen Potentialen umgeht!
Wenn Sie gegen eine Genehmigung des
Gartencenters sind, dann können Sie sich ab Donnerstag (17.11.11) in
vielen Pfungstädter Geschäften an einer Unterschriftenaktion beteiligen,
die gemeinsam von den Freien Wählern, den Unabhängigen Bürgern und den
Grünen durchgeführt wird.
Lesen Sie auch den Bericht im Darmstädter Echo vom 11.November 2011:
Echo-Artikel "Kontroverse um Gartencenter"
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