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Bebauungsplan "Gartencenter am Europakreisel" Drucken
Geschrieben von Ali Hensel   
Mittwoch, 16. November 2011
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Bebauungsplan "Gartencenter am Europakreisel"
Seite 2

Die Entscheidung für ein Gartencenter mit Landmarkt bedeutet zuerst einmal, dass durch den Landverkauf und die zu erwartende Gewerbesteuer Geld in die klamme Pfungstädter Stadtkasse fließen wird und dass durch den Betrieb des Marktes Arbeitsplätze geschaffen werden. Des weiteren bedeutet diese Entscheidung aber auch, dass den weitestgehend im Zentrum angesiedelten Blumengeschäften, Obst- und Gemüseläden, Gartenbaubetrieben sowie den Bauernlädchen weitere Konkurrenz erwachsen wird. Für den Verbraucher - soweit er über ein Auto verfügt - bietet der Einkauf in einem Einkaufscenter zweifelsohne Vorteile: genügend Parkplätze, breitgefächertes Angebot, lange Öffnungszeiten; durchaus gute Argumente, die für die Errichtung des Gartencenters sprechen, sollte man meinen. In der Diskussion in der Stadtverordnetensitzung fanden diese Argumente jedoch keine Erwähnung   – vielleicht weil sie eines der Kernprobleme Pfungstadts offen gelegt und die zukünftige Stadtentwicklung in den Mittelpunkt aller Überlegungen gestellt hätten. Eine Stadtentwicklung, die sich heute erst andeutet, die aber die Zukunft Pfungstadts – wie so vieler anderer Städte auch – vorzeichnet: das Einkaufen in der Innenstadt verlagert sich hin zum Shopping am Stadtrand. Das wiederum setzt einen Entwicklungskreislauf in Gange, in dessen Verlauf die überwiegende Zahl der Einzelhandelsgeschäfte in der Stadtmitte auf der Strecke bleiben wird.  Durch das Einkaufscenter im Gewerbegebiet wird Kundschaft aus dem Stadtkern abgezogen, den dortigen Einzelhandelsgeschäften fehlen diese Kunden, der Umsatz geht zurück, Geschäfte werden unrentabel, sie werden schließen, das dadurch bedingte geringere Angebot verringert die Attraktivität als Einkaufszone, weitere Kundschaft bleibt fern, womit auch für die verbliebenen Läden, Gaststätten, Cafes usw. die Lage unrentabel zu werden droht. Wachstum wird nur noch an der Peripherie stattfinden – der Stadtkern verödet. Dem Gewinn an Arbeitsplätzen im Gewerbegebiet steht der Verlust von Arbeitsplätzen im Zentrum gegenüber.

 

Noch haben wir in Pfungstadt ein lebendiges Zentrum, in dem sich Wohnen, Einkaufen und soziale Einrichtungen durchmischen und gegenseitig fördern – ein Stadtkern, der durch kein anonymes, stets gleich aussehendes, flächenfressendes Einkaufscenter auch nur annäherungsweise ersetzt werden kann! Müssten wir darum nicht alle Kräfte bündeln, um dies zu fördern und bewahren? Müsste verantwortliches politisches Handeln nicht auch an die denken, die kein Auto haben, die älteren Mitbürger, die auf fußläufig zu erreichende Geschäfte angewiesen sind? Kann ein „Landmarkt“ inmitten all des Krimskrams, der in einem Gartencenter feil geboten wird, die Bauernläden mit ihrem unverwechselbaren individuellen Charakter ersetzen?

Insofern ist die Frage „braucht Pfungstadt dieses Gartencenter“ falsch gestellt, sie müsste lauten „kann sich Pfungstadt dieses Gartencenter erlauben“!

Sicherlich wird der neue Markt nicht mit einem Schlage den entsprechenden innerstädtischen Einzelhandel verdrängen – aber die zahlreichen bisher schon verschwundenen Geschäfte verschwanden auch nicht auf einen Schlag. Die Verarmung der Innenstadt ist ein schleichender Prozess, wobei die Errichtung des Gartencenters ein weiterer Mosaikstein sein wird, wie die Lebensfähigkeit der innerstädtischen Läden untergraben wird.

Wenn trotz all dieser Argumente dieses Projekt dennoch umgesetzt werden wird, dann wohl deshalb, weil endlich ein Investor gefunden wurde, der gewillt ist, sich im Gewerbegebiet anzusiedeln. Hierfür bekommt er sogar einen eigenen Bebauungsplan auf den Leib geschneidert. Da spielt es auch keine Rolle, dass die Gewerbegebiete „Mainstrasse“ und „Nord-West“ einmal der Ansiedlung von Fachmärkten, bzw. ortsansässigen Betrieben als Erweiterungsflächen vorbehalten sein sollten. Stellen sich die Investoren jedoch nicht wie gewünscht ein, müsste sich die Frage aufdrängen, ob Pfungstadt tatsächlich diese Flächen zur Gewerbeansiedlung benötigt – Flächen, die für die Landwirtschaft unwiederbringlich verloren sind und einem Siedlungszuwachs, in dem Quantität vor Qualität geht, geopfert werden.

Pfungstadt hat Besseres verdient – Politik, die nicht von der Hand in den Mund lebt, sondern verantwortungsvoll und zukunftsblickend mit seinen Ressourcen und seinen Potentialen umgeht!

Wenn Sie gegen eine Genehmigung des Gartencenters sind, dann können Sie sich ab Donnerstag (17.11.11) in vielen Pfungstädter Geschäften an einer Unterschriftenaktion beteiligen, die gemeinsam  von den Freien Wählern, den Unabhängigen Bürgern und den Grünen durchgeführt wird.


Lesen Sie auch den Bericht im Darmstädter Echo vom 11.November 2011:


Echo-Artikel "Kontroverse um Gartencenter"



 
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